Der Autor

Bernhard Scherger

ist 1938 im Rheinland geboren. Nach einer glücklichen Kindheit und harten Kriegsjahren erlebte er schwierige Jahre im Internat der Kölnischen Franziskaner. Er besuchte das Städt.-Humanist.-Emil-Fischer- Gymna­sium zu Euskirchen. 1958 machte er da das Abitur und trat in den Orden der Franziskaner ein. Er war glücklicher Mönch, erkrankte schwer am Ende der Noviziatszeit 1959 an Lungentuberkulose. Der Orden entließ ihn. Er fiel in eine tiefe Lebenskrise. Nach 28 Monaten war er wieder gesund, sein Lebensmut war zurückgekehrt, aber die entscheidende Frage der Krise war geblieben: Warum hatte der alte Glaube, der ihm als Mönch so klar und sicher erschienen war, ihm nicht geholfen? Seitdem begab er sich auf der Suche nach einem neuen lebensbejahenden Glauben, der sich auch in Krankheit und Not bewährt.

Nach zwei Semester Sozialfachstudium 1961 meldete er sich 1962 beim Bischof von Aachen zum Priesterstudium, studierte mit Begeisterung Theologie und Philosophie, legte 1966 sein Diplomexamen in Theologie ab und wurde im gleichen Jahr vom Bischof Pohlschneider ins Priesterseminar gerufen. Kurz nach der Diakonatsweihe nahm er 1967 überraschend Abschied von der Klerikerlaufbahn, und das kam so: Ein ihm unbekannter Ortspfarrer war gekommen und verlangte, dass er in dessen Pfarrei nach der Priesterweihe Primiz zu feiern hätte. Die Familie des Diakons gehörte aber seit über 30 Jahren zu einer anderen Pfarrei. Das war staatlich so geregelt und alle Kinder der Familie gingen auch dort zur Schule und gehörten zur Pfarrei dieser Schule. Der Regens des Priesterseminars verlangte trotzdem ultimativ vom Diakon, dass er seine Heimatpfarrei aufgebe und dem Wunsch des fremden Pfarrers Folge zu leisten hätte. Der Diakon weigerte sich und berief sich auf sein Gewissen und auf das Kirchenrecht. Der Regens sagte, dass er mit einem Diakon nicht über das Kirchenrecht diskutiere und einen schwerwiegend ungehorsamen Alumnen nicht zur Priesterweihe zulassen könne. Der Diakon blieb bei seiner Entscheidung und wurde fristlos aus dem Priesterseminar entlassen.  Nach der Entlassung zog er sich zur Besinnung für zwei Monate in ein Franziskanerkloster zurück, erwachte hier wie aus einem Alptraum, bejahte die ungewollte Wende in seinem Leben und war zeitlebens glücklich darüber. Er entschied sich neu für ein Weiterstudium mit Germanistik, Erziehungswissenschaft und Philosophie an den Universitäten Bonn und Aachen. Sein Zweitstudium von 1967 bis 1971 verdiente er sich mit Unterricht an einer Berufsschule in Religion und Bürgerkunde. Nach den Examina für das Höhere Lehramt an Gymnasien und nach dem Referendariat absolvierte er 1973 sein II. Staatsexamen und unterrichtete am Gymnasium mit den Fächern Deutsch, Pädagogik, Philosophie und Religion bis zum Beginn seines Ruhestandes im Jahr 2000. Seitdem hat er auf das Drängen seiner Schüler und seines Gewissens hin das Zeugnis seines Glaubens, das er sich in einem langen Ringen auf dem Hintergrund der großen  Krise der abendländischen Kirchen und aller Religionen erkämpft hatte, schriftlich niedergelegt und jetzt hier veröffentlicht. Immer wieder haben ihm ehemalige Schüler und Studierende gesagt, dass er ihnen den Glauben, den sie schon verloren hatten, wiedergegeben habe. Heute arbeitet er ehrenamtlich für Asylanten, engagiert sich im Bereich seiner Pfarrei und hält Gottesdienste für Alte, Kranke und Pflegebedürftige.